Die Kantorei spielt Martin Palmeris „Misa a Buenos Aires"

Gießener Anzeiger vom 11.05.2026 – von Heiner Schulz

Die Tangomesse begeisterte beim Alumnatsfest in der Stadtkirche. Das Bandoneon fügte sich perfekt ins kirchenmusikalische Ensemble ein.

Laubach – Eine wesentlich andere, zugleich hochästhetische Kirchenmusik präsentierten jetzt die Kantorei der Johanneskirche und das Kammerorchester Gießen mit Martin Palmeris „Tangomesse“ in der Stadtkirche. Als Solisten agierten Seda Nahapetyan (Sopran), Marlène Clément (Bandoneon) und Marion Bathe (Orgel). Die Leitung hatte Christoph Koerber.

Das Konzert fand anlässlich des Alumnatsfestes der ehemaligen Sänger des Knabenchores Laubacher Kantorei, veranstaltet zusammen mit der Gemeinde der Evangelischen Stadtkirche Laubach, statt.

Martin Palmeris (*1965) „Misa a Buenos Aires”, genannt “Tangomesse”, für Sopran, Chor, Bandoneon und Orchester begann mit Macht und Wohlklang schon im Kyrie. Da streute das Bandoneon klare Tangoelemente ein, die Orgel schwang mit. Sopranistin Seda Nahapetyan agierte glockenklar, warm und stabil. Die chorischen Stimmen wurden auf tragenden Flächen dargestellt, und Marlène Cléments Bandoneon fügte sich perfekt ins Ganze.

Johanneskantor Christoph Koerber dirigierte zum einen mit ganz deutlichen, konstruktiven Gesten, die auch verlustfrei in eine herausragende Geschlossenheit umgesetzt wurden. Zugleich war auch er von der abwechslungsreichen, quirligen Musik sichtbar gepackt und genoss offensichtlich seinen Job. Überhaupt stimmte die Atmosphäre bei Ensemble und Solisten ungewöhnlich gut, und die exzellente Akustik der Stadtkirche sorgte für ein klares, rundes Klangbild; hier schmälerte kein Großhall die Qualität des Konzerts.

Das Gloria, ein Glanzlicht des Konzerts, kam mit einem knackigen Einsatz, in Piazollas (1921–1992) „Coral“ legte der Tango dann jede Scheu ab und mischte in der Kirchenmusik dominant mit.

Sanctus: Auftakt mit einem ruhigen Intro, man fand zu einem einfachen, tanzbaren Rhythmus, die Orgel tanzte mit, und man hörte attraktive Tutti; vom Bandoneon (sehr sicher und hochsensibel: Marlène Clément) kamen perkussive Elemente. Und dann ein wunderbares Zusammenspiel von Orchester und Orgel (sehr aufmerksam und ebenso präzise: Marion Bathe). Sopranistin Nahapetyan agierte sanft, getragen, ganz ruhig und dann kraftvoll, ohne ihre Stimme je grell werden zu lassen. Zuweilen zog das Tempo leicht an, diffizile Passagen wurden hochtransparent musiziert.

Generell lagen Orchester, Chor und Orgel exzellent zusammen. Der Chor lieferte wunderschöne Wechsel der Stimmen, mit fast Orff’scher Intensität in den Tutti, hinzu kamen attraktive tragende Bassrhythmen und ein transparenter Ausklang. …

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